Von Riva del Garda am Gardasee zum Ledrosee

Der Gardasee, gelegen am südlichen Alpenrand, ist mit 370 km² das größte Binnengewässer Italiens. Umringt von Bergketten im Norden, Osten und Westen und aufgrund seiner Lage weist er ein sub-mediterranes Klima mit heißen Sommern und niederschlagsarmen milden Wintern auf. Die Durchschnittstemperaturen im Jahr liegen zwischen 13 und 15 °C. Also idealer Wanderausflugsort für unsere heutige Wanderung, darum ab in den Süden!

Riva del Garda am Gardasee - Ausgangspunkt für unsere heutige Wanderung über die Ponale-Panoramastraße
Riva del Garda am Gardasee – Ausgangspunkt für unsere heutige Wanderung über die Ponale-Panoramastraße

Nach einer guten Autostunde kommen wir am Nordufer des Gardasees in Riva del Garda, einem schon zur Römerzeit besiedelten Ort, an. Wir befinden uns im Trentino also in Welschtirol. Der Gardasee erstreckt sich über drei Regionen. Im Norden liegt er im Trentino-Südtirol, im Westen in der Lombardei und im Osten in Venetien. Er wird somit von den drei Provinzen Trentino, Verona und Brescia verwaltet.

Wir sind von Torbole gekommen und haben den Fluss Sarca überquert und befinden uns nun in Riva del Garda, fahren aber auf der Gardasee Straße am westlichen Ufer in Richtung Süden, weil wir zum alten Ponale-HafenPorto del Ponale“ wollen. Wir möchten gerne vom Hafen „Porto del Ponale“ den alten Steig bis hinauf zum Dörfchen Biacesa und weiter zum Ledro-See gehen.

Dieser Steig war vor der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts der primäre Handels- und Kommunikationszugang zum Ledro-Tal, bevor zwischen 1848 und 1851 von Giacomo Cis an den Felshängen eine Panoramastraße, die Ponale-Straße mit Startpunkt in Riva del Garda realisiert wurde. Diese alte Ponalestraße von Riva nach Pregasina, einem kleinen Dörfchen 6 km von Riva und circa 400 m über dem Gardasee, wurde nach einem Bergrutsch teilweise zerstört. Nach jahrelanger Sperrung ist die Straße 2004 zu einem wunderschönen Wanderweg ausgebaut worden, der aber hauptsächlich von Mountain-Bikern genutzt wird.

Ein herrlicher, klarer Tag mit angenehmen Temperaturen empfängt uns am Gardasee aber die erste „Wolke“ an unserem Wanderhimmel ist nicht fern! Kein Parkplatz am alten Porto del Ponale vorhanden! Einzige Möglichkeit innerhalb eines Tunnels in einer Ausbuchtung am Eingang eines verfallenen Restaurants am alten Ponale Hafen. Kein gute Idee! Etwas nördlich am Straßenrand parken und dann einen kilometerlangen Auto-Tunnel zurück gehen. Auch keine gute Idee!

Die Gardasse-Ufer-Straße
Die Gardasse-Ufer-Straße

Es hilft also nichts wir müssen zurück nach Riva del Garda einen Parkplatz suchen und unsere Wandertour leicht variieren. Der unterirdische Parkplatz „Terme Romane“ im Zentrum von Riva del Garda bietet unserem Pkw für einige Stunden eine sichere Unterkunft.

Wir starten dementsprechend direkt im Zentrum von Riva (80 m. ü. d. M.), überqueren den Hauptplatz, treffen drei Traminer, gehen am Hafen vorbei und finden am südwestlichen Ende von Riva den Beginn der alten Ponalestraße, die uns in Felshängen „gemeißelt“ in südlicher Richtung am Westufer des Gardasees leicht empor bis zu unserem ursprünglich geplanten Wandersteig führen soll.

Panoramawanderweg und Mountainbikestraße Ponale

Es ist sofort erkennbar, dass die Ponale-Straße ein Mountainbike Eldorado ist! Ganze Heerscharen von Bikern radeln die Straße hoch, Wanderer sieht man fast keine, eigentlich überhaupt keine, wenn man von uns Vieren mal absieht.

Die Ponale-Panoramastraße ist ein Eldorado für Mountainbiker
Die Ponale-Panoramastraße ist ein Eldorado für Mountainbiker

Egal auf geht es! Wir wandern auf einem Schotterweg, leicht ansteigend den Gardasee entlang. Immer wieder müssen wir zur Seite springen, weil uns entweder rasende Mountainbiker entgegen kommen oder uns schwitzende Biker überholen. Beim auf die Seite stoben, müssen wir höllisch aufpassen, dass wir nicht über den Straßenrand hinaus hüpfen und über die Felswand steil in den Gardasee hinunter purzeln. Mich wundert, dass die Mountain-Biker sich getrauen so schnell den mit einer sehr niedrigen Mauer bzw. Zaun gesicherten Schotterweg herunter zu rasen. Ein Ausrutscher, ein Sturz in einer Kurve und schon wäre man samt Bike hundert Meter im Gardasee unten!

Es geht nicht nur wegen der Mountainbiker recht langsam voran. Immer wieder müssen wir vor allem wegen des überwältigenden Panoramas stehen bleiben und die herrliche Aussicht auf den Gardasee mit Riva del Garda genießen. Die Ponalestraße trägt zu Recht den Zusatz: Panoramastraße!

Wie muss man sich das vorstellen? Genau so:

360° Kugelpanorama Ponale-Panoramastraße, Gardasee, Riva del Garda
360° Kugelpanorama Ponale-Panoramastraße, Gardasee, Riva del Garda

Du wirst dich nun fragen wo den die Heerscharen der Mountainbiker geblieben sind? Ich habe beim Fotografieren extra eine Moment abgewartet an dem keine Biker vorbeigefahren sind, aber wie du siehst habe ich das nur teilweise geschafft!

Unsere Mitwanderer sind während meiner Fotosession weiter gewandert. Wir beide müssen uns jetzt sputen, um sie wieder einzuholen. So ganz leicht ist das aber nicht, weil uns das Panorama immer wieder zum Fotografieren zwingt.

Verfallene Gaststätte Belvedere

Nach circa einer Stunde kommen wir an einer verfallenen Gaststätte, dem Belvedere, vorbei. Bortolo Toniatti hatte hier am 9. März 1900 eine Gaststätte eröffnet und eine Aussichtsplattform auf die, auf der gegenüberliegenden Seite des Tales in die Tiefe rauschenden Wasserfälle, gebaut. Daher kommt sicherlich auch der Name der Gaststätte. Belvedere bedeutet übersetzt: schöne Aussicht.

Belvedere über dem Gardasee
Belvedere über dem Gardasee

Nach dem Belvedere treffen wir auf eine Straße und zugleich auch Abzweigung. Das Hinweisschild Valle di Ledro weist uns den Weg. Wir biegen folglich links ab. Links unter uns können wir den alten Hafen des Ponale sehen und auch den Steig, den wir ursprünglich bewandern wollten.

Der alte Ponale Steig

Während wir den Torente Ponale, also den Ponale Fluss, überqueren hören wir jemanden rufen. Zuerst reagieren wir nicht darauf, doch dann hören und schauen wir genauer hin. Da vorne sind unsere Mitwanderer.
Nun biegen wir rechts ab und wandern einen mit groben Steinen gepflasterten, für Mountainbiker zum Glück zu steilen und vor allem zu holprigen, Weg hoch. Wir befinden uns offensichtlich auf dem alten Ponalesteig. Ein toller Weg, wir fühlen uns ins Mittelalter zurückversetzt.

Der Ponale-Wandersteig der uns vom Gardasee zum Ledrosee führt
Der Ponale-Wandersteig, der uns vom Gardasee zum Ledrosee führt

Durch das Ledrotal zum Ledro See

Nach circa 300 m erreichen wir einen flachen Schotterweg und zugleich auch unsere Mitwanderer. Wir haben nun circa 300 Höhenmeter und 4,5 km hinter uns und sind schon ein ganzes Stück vom Gardasee entfernt.

Rechts auf der anderen Talseite an den Felshängen des Monte di Riva klettern einige Alpinisten die Felswände hoch, während sich andere bereits abseilen. Der Gardasee wird nicht umsonst als Kletterparadies bezeichnet. Das Klettergebiet rund um Arco ist in ganz Europa bekannt. Es bietet unzählige Klettertouren in allen Schwierigkeitsgraden. Das milde Klima lässt das Klettern fast das ganze Jahr über zu. Klettermöglichkeiten gibt es viele verschiedene: Bouldern (klettern ohne Kletterseil und Klettergurt), alpine Mehrseillängen-Kletterrouten, geneigten Platten, Kamine. Die kurzen Zustiege tragen ihren Teil dazu bei, das Klettergebiet am Gardasee bei Kletterern so beliebt zu machen.

Durch das Ledrotal zum Ledro See
Durch das Ledrotal zum Ledro See

Eine Stunde und zwanzig Minuten sind wir jetzt unterwegs. Eine Straße markiert das Ende dieses ersten Teilstückes, das uns vom Gardasee empor gebracht hat. Nun folgen wir der Straße in westlicher Richtung und marschieren dem Ledrosee entgegen. Zum Glück müssen wir der Straße nur circa 10 Minuten folgen, dann geht es auf einem Wandersteig weiter. Wir treffen nun wieder vermehrt auf Mountainbiker, die uns bis zum Dörfchen Prè di Ledro begleiten.

Ab hier werden die Mountainbiker mittels Hinweisschild sehr bestimmt nach rechts zur Straße an der Nordseite des Ledrotales abgeleitet. Wir Wanderer wandern, davon unbeeindruckt, gerade aus und gehen jetzt über einen Waldsteig, der öfters abzweigt aber dessen Verzweigungen scheinbar alle in die gleiche Richtung, also zum Ledrosee führen, weiter. Obwohl ich vermutet habe, dass wir jetzt alle heute zu bewältigenden Höhenmeter hinter uns haben würden, müssen wir trotzdem einige steilere Passagen hoch gehen. Rechts über uns sehen wir eine Brücke, nein keine Fußgängerbrücke sondern ein Aquädukt. Scheinbar folgen wir einem Waalweg-Pendant.
Nun dürfte es nicht mehr all zu lang dauern bis zum „lago di Ledro„. Stimmt da vorne liegt ein Dorf: Molina di Ledro. Wir überqueren den Dorfplatz und folgen dem Fußgänger-Panoramaweg, der uns entlang des Flusses Torrente Ponale bis zu Ledro-See bringt.

Am Ledro See

2 Stunden 39 Minuten, wir kommen am Ostufer des Ledro Sees an. Ein Museum: „museo delle palafitte del lago di Ledro“, das Pfahlbauten ausstellt, bietet dem interessierten Wanderer kulturelle Fortbildung.

Hunger macht sich bemerkbar, darum suchen wir ein passendes Lokal. Entlang des Südufers des Ledrosees befinden sich mehrere Einkehrmöglichkeiten, die heute mit Bikern (nicht Mountainbikern, sondern Motorradbikern) überfüllt sind. Laute Musik stört uns etwas, darum kehren wir um und treten in das Restaurant „Ristorante Pizzeria la Passeggiata“ ein, welches sich 100 m vor dem See befindet.

Polenta mit Hirschgulasch, herrlich zubereitet. Wir speisen wir die Götter in Frankreich und fühlen uns pudel wohl.

Ein kurzer Abstecher zum öffentlichen Strand am Nordufer muss natürlich auch drin sein. Leider ziehen Quellwolken auf, die zwar nicht Regen-gefährlich ausschauen aber die Temperatur drastisch reduzieren.

360° Foto vom Ledrosee mit öffentlichem Strand
360° Foto vom Ledrosee mit öffentlichem Strand

Rückweg Ledrosee – Gardasee

Nach einer kurzen Rast treten wir den Rückweg an und marschieren der Sonne am Gardasee entgegen.

Wir beschreiten den gleichen Wanderweg, zuerst durch das Ledrotal, dann entlang des Gardasees bis nach Riva del Garda hinunter. Dieses Mal haben wir den Gardasee und Riva noch besser im Blickfeld. Auf der anderen Seite des Gardasees, also am Ostufer, sehen wir den Spazierweg Busatte – Tempesta, der uns letzten Herbst von Torbole nach Tempesta gebracht hat.

Ein Blick auf den alten Hafen am Gardasee (Porto del Ponale)
Ein Blick auf den alten Hafen am Gardasee (Porto del Ponale)

Hier an der Westseite des Gardasees schickt sich jetzt die Sonne an uns zu verlassen, drüben am Ostufer wird sie sich noch ein Weilchen aufhalten.

Heimweg Gardasee – Südtirol

Um 18.00 Uhr kommen wir gleichzeitig mit dem Sonnenuntergang in Riva del Garda an und treten den Heimweg an. Leider haben scheinbar viele Gardasee-Ausflügler dieselbe Idee. Nach wenigen Autominuten stecken wir hoffnungslos im Stau fest. Nach einer halben Stunde Geduldsprobe erreichen wir endlich Torbole. Da sich der Stau nicht aufzulösen scheint, machen wir in Torbole halt, um uns eine Pizza einzuverleiben.

20.00 Uhr, der Stau hat sich immer noch nicht aufgelöst. Ok, dann einfach in Richtung Arco, vorbei an der Burg „Castello di Arco“ und entlang des Sarca Flusses auf der „Strada Gardesana Occidentale“ bis zum Lago di Santa Massenza Cavedine, rechts hoch, vorbei am Monte Bondone und durch einen langen Tunnel hinunter nach Trient (Trento). Von hier aus über den gewohnten Weg: Autobahn, Staatsstraße oder neue Umfahrungsstraße Trient-Mezzocorona heim nach Tramin, Südtirol.

Eine wirklich schöne Wanderung vor allem aufgrund der supertollen Aussicht auf den herrlichen Gardasee. Auf jeden Fall ein Muss für jeden Wanderer. Zu empfehlen vor allem im Frühjahr oder im Herbst, wenn es nicht zu heiß ist.

GPS-Tour Riva del Garda – Molina di Ledro am Ledrosee

Fotoimpressionen Wanderung Gardasee – Ledrosee

Fotoimpressionen Wanderung Ledrosee – Gardasee

4 Gedanken zu „Von Riva del Garda am Gardasee zum Ledrosee“

  1. Frederik sagt:

    Hi,

    thanks for sharing this article and beautiful pictures. I will post a link to this post on my website and blog.

    Kind Regards,

    Frederik

  2. Gardameer sagt:

    Hi,

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    Regards,

    Frederik

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