In einem Trentino-Gardasee-Reiseführer hatte ich unlängst unter der Rubrik Supertipps folgenden Wandertipp gelesen: Eine Wanderung auf der spektakulären Strada delle 52 Gallerie am Pasubio. Der 6 km lange Weg verläuft auf einem oft nur sehr schmalen Felspfad durch 52 enge Tunnel und fast durchgehend am Abgrund von mehreren hundert Meter Tiefe.
Weiter steht in diesem Reiseführer unter der Überschrift Wanderung auf der Strada delle 52 Gallerie: Eine absolut spektakuläre Wanderung, die über 5 Gipfel, schaudererregenden Abgründe und 52 nachtschwarze Tunnel führt… Leichter Klettersteig mit kurzen ausgesetzten Passagen…
Super, das ist was für uns, vor allem weil da LEICHTER Klettersteig steht. Ups, Video vom Gaetano Falcipieri Klettersteig gefunden. 12 m hohe senkrechte Leiter, schmales, ausgesetztes Band. Oha. Ob die beste Ehefrau von allen da wohl rauf und rüber gehen wird?
Die Anfahrt über Rovereto, durch die Vallarsa zu Pian delle Fugazze, dann zum Passo Xomo und bis zur Bocchetta di Campiglia (Parkplatz) erweist sich als viel länger als geplant, so dass wir relativ spät, sprich 8.45 Uhr, mit der Klettertour und Wanderung beginnen können.
Klettersteig Gaetano Falcipieri
Rechts der Menschenmassen, welche die Strada delle 52 Gallerie hochwandern, steigen wir schattig, dem Hinweisschild via ferrata G. Falcipieri folgend, durch den Wald bergan. Es dauert nicht lang und da taucht auch schon die erste Felsen-Hürde (Drahtseil gesichert) auf. Der besten Ehefrau von allen wird der Klettergurt umgeschnallt und auf geht es. Diese erste Hürde meistert sie bravourös. Ok, wenn es so bleibt, dann ist dieser Klettersteig auch von uns zwei Wanderern zu schaffen.
Kamin
Vor uns ein Vater der seinem Nachwuchs anscheinend Kletterunterricht gibt. Sein Sohn steht mitten in der zweiten Hürde, einem steilen Kamin. Wir müssen warten. Das macht mir etwas Sorgen, denn je länger die beste Ehefrau von allen auf den schmalen steilen Kamin blickt umso verzagter schaut sie drein.
Der Sohn ist oben, der Vater bietet uns an, voraus zu gehen und sagt gleichzeitig zu seiner Tochter: “guarda come fa lei”. Ich kläre ihn auf, dass es vielleicht besser ist, nicht zu viel von der besten Ehefrau von allen abzuschauen, denn sie geht das erste Mal einen solchen Klettersteig. “C’è sempre una prima volta”, meint der Vater und ich denke mir: ja hoffentlich gibt es auch ein zweites Mal.
Die ersten zwei, drei Tritte und Züge schafft die beste Ehefrau von allen recht gut. Dann mitten im Kamin bleibt sie stehen. Nichts geht mehr. “I kimm do nit aui! Wia soll i do auikemmen? Es geat nit.” Leichte Nervosität ist ihrer Stimme anzuhören. Ich merke, wie sie schon fast aufgeben will. “Wort i kimm nochi!” Ich klettere ihr nach und sage ihr ruhig jeden Tritt und jeden Armzug, den sie machen muss genau an. Es klappt. Sie ist oben.
Der Klettersteig, mag für einen Kletterer recht einfach sein, für uns Wanderer ist er an der Grenze des Machbaren. Wir sind extrem langsam unterwegs wie so immer, wenn es gefährlich wird. Es geht am Grat weiter. Ab und zu hören wir die Wanderer von der Strada delle 52 Gallerie herauf, welche sich mehr oder weniger parallel einige Meter tiefer, links des Klettersteiges, an den Felswänden empor schlängelt.
Die beste Ehefrau von allen fängt leicht zu jammern an und würde am liebsten zur 52 Tunnelstraße hinunter. Sie weiß aber nicht, dass es immer wieder Fluchtwege gibt, über die man den Klettersteig verlassen könnte und in die Strada delle 52 Gallerie eintreten könnte. Den Hinweis auf die Tunnelstraße am Fuße des Guglia del Bovolo übersieht sie.
Leiter
Nun steigen wir über gestufte, recht exponierte Felsen (Drahtseil gesichert) zum Turmfuß empor. Hier wartet die Schlüsselstelle, eine circa 12 Meter hohe, senkrechte Eisenleiter, an deren Ende ein sehr schmales Band luftig nach rechts und an der Nordseite des Kamms mit Drahtseilhilfe über steile Felsen zurück zum Grat führt.
Wir müssen warten. Vor uns steigt ein Paar sehr langsam die Leiter hoch. Die beste Ehefrau von allen wird stetig nervöser.
Erschwerend kommt hinzu, dass sie heute geistig ziemlich vorbelastet ist. Endlich können wir starten. Eine Stufe, eine zweite, eine dritte. Stopp. Die beste Ehefrau von allen bleibt stehen. Nichts geht mehr. Es folgt ein circa 5 minütiges G…..e, dann reißt sie sich kurz zusammen, geht weiter hoch, so dass ich auch an drei, vier Stufen schnuppern darf. Stufe 10. Oha, Knie schlottern. “Los mi do. I will do ….. und …. !” Anmerkung des Autors: hier wird ein ordentlicher Teil zensiert!
Es hilft nichts, wir müssen zurück. Hinter uns kommt ein weiteres italienisches Paar nach. Ich bitte sie kurz zu warten, damit wir die Leiter hinunter steigen können. “Venite da sopra?” “No, dobbiamo scendere. La scale le fa troppa impressione.”
Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ok, die Leiter ist senkrecht, das gebe ich zu, aber dafür kann man mit beiden Füßen gut stehen, sich mit beiden Händen halten und ist mit zwei Karabinern gesichert. In meinen Augen ist über Felsen klettern, z.B. die vorige Passage, viel gefährlicher. Ich muss zugeben, dass ich wegen des Abbruches etwas verärgert bin…
Kurz unter der Leiter gibt es einen Ausstieg, so dass wir zum Glück nicht die Felsen zurück klettern müssen und direkt in einen Tunnel auf die Strada delle 52 Gallerie gelangen.
Nun müssen wir mit der lärmenden Menschenmasse auf der Strada delle 52 Gallerie entlang wandern. Ohne ein Wort zu sagen gehen wir hintereinander durch einen rabenschwarzen Tunnel hindurch. Zum Glück haben wir Taschenlampen mit. Ohne ginge das tatsächlich nicht, außer man heftet sich so dicht an andere Wanderer, dass diese den Atem spüren können.
Nach 5 min bis 10 min sehe ich hinter einem Tunnel einen Steig rechts abzweigen. Der Tag ist gerettet. Wir können wieder in den Klettersteig einsteigen und stehen nach einer weiteren Minute vor dem verdutzten italienischen Paar, welches gesehen hatte, wie wir die Leiter verlassen haben. Ich erkläre ihnen, dass man die Schlüsselstelle mit Leiter und Band einfach über die Strada delle 52 Gallerie umgehen kann und dadurch außer der Schlüsselstelle nicht viel vom Klettersteig verliert.
Die besorgte beste Ehefrau von allen fragt noch schnell bei anderen Kletterern nach, ob das nun wirklich die ausgesetzteste Stelle gewesen sei. Diese bejahen und so können wir am Grat teils weiter wandern, teils weiter klettern.
Zuerst hinauf auf den ersten Gipfel der Cinque Cime, die Bella Laita (1.881 m), dann hinüber zum zweiten Gipfel zur Cima Cuaro (1.939 m), dahinter über steile Felsstufen, etwas gefährlich hinab in die Forcella Camossara (1885 m).
Wir sind ziemlich fertig, die schweren Rucksäcke sind nicht gerade die ideale Kletterbegleitung. Obwohl wir jetzt über Geröll zur Strada absteigen könnten, klettern wir weiter über die felsige Ostflanke des Monte Forni Alti (2.023 m, dritter Gipfel) hinauf.
Die beste Ehefrau weist mich darauf hin, dass außer mir niemand so “deppet” sei ohne Sicherung zu klettern. So langsam färbt ihre Angst auf mich ab, außerdem spüre ich bei jedem Griff das Drahtseil in den Händen schmerzen und so kann sie mich auf 1.939 m Meereshöhe, circa in der Hälfte des Aufstieges Forcella Camossara-Monte Forni Alti überreden, aus dem Klettersteig auszusteigen.
Achtung, Nachwanderer bzw. Nachkletterer! Wir benutzen hierfür keinen markierten Ausstieg, sondern gehen auf gut Glück, aber in meinen Augen nicht allzu gewagt, rechts am Fuße des Monte Forni Alti, den Hang querend, zu einem Steig hinüber, der zu einem Joch hinauf führt.
Oben angekommen treffen wir wieder auf den Klettersteig-Weg und haben somit die Hälfte der Kletterei auf den dritten Gipfel der 5 Gipfel umwandert. Durch einen Tunnel hindurch, ein kurzer gesicherter Abstieg und wir treffen bei dem Passo Fontana d’Oro auf die Tunnelstraße. Den vierten Gipfel (Cimòn del Soglio Rosso) und den fünften Gipfel (Cima dell’Osservatorio) lassen wir aus, wandern lieber rechts und ziemlich unterhalb der Gipfel bis zu den Porte del Pasubio hinüber.
An der Strada degli Eroi (Straße der Helden) kehren wir in das Rifugio Gen. Achille Papa ein und lassen es uns bei Polenta mit Pilzen gut gehen. In der Schutzhütte “rifugio Papa” geht es recht geschäftig zu. Man hat hier sogar Orderman. Das italienische Paar, welches wir bei der Leiter und später oberhalb der Leiter getroffen hatten, ist auch schon da. Sie schauen uns ungläubig an. “Avete fatto tutte le cinque cime?” Ich kläre sie auf, dass wir nur 2,5 Gipfel gemacht haben. Sie erwidern, dass sie auch ausgestiegen sind und zwar noch vor uns, bei der Camossara Scharte. Ich stimme ihnen zu, dass der Klettersteig einfach zu lang wäre. Was soll ich anderes sagen. Wir haben ihn auch auch nicht vollständig absolviert.
Strada delle 52 Gallerie
Der Rückweg wird nun unverhältnismäßig einfach. Über die Strada delle 52 Gallerie geht es teils im Dunkeln, teils recht aussichtsreich in Richtung Località Malga Campiglia zurück. Selbstverständlich muss ich noch ein, zwei 360° Fotos anfertigen. Wäre ja ein schöner Blödsinn gewesen, die schwere Ausrüstung über den Klettersteig hoch zu schleppen und dann auf ein tolles Rundumfoto verzichten.
Wie immer hält die beste Ehefrau derweilen ein Schläfchen. Ich wundere mich immer wieder wie sie das nur macht. In 30 Sekunden einschlafen. Das ist eine Gabe! Die schnellen Wolken spielen mir Streiche. Ich schaffe es, die volle 360° Runde herum zu fotografieren, ohne das sie mir die Sonne einmal verstecken, ein anderes Mal voll durchscheinen lassen. Irgendwann klappt es trotzdem.
Der Felsenpfad (Mindestbreite 2,2 m) ist einmalig! Bodenlose Abgründe, pechschwarze Tunnel (Achtung auch Rutschgefahr, da teilweise nass), ein herrlicher Ausblick, ein Wendeltreppen artiger Tunnel in einem Felsenturm, der zugleich den längsten Tunnel (Tunnel Nr. 19) darstellt und immer wieder
Panoramatafeln mit der Geschichte der jeweiligen Tunnel.
Hmmm, was ist den toller? Der Klettersteig oder die Tunnelstraße? Die Kombination aus beiden also Klettertour und Tunnelwanderung gehört jedenfalls zu den Top Tipps für Wanderfreaks und Bergbegeisterte.
Um 17.40 Uhr kommen wir bei der Bocchetta di Campiglia an, wo uns ein betonierter, trichterförmiger Ausgang zum Parkplatz hinaus führt. Die herrliche Kletter- und Wanderpartie ist geschafft, jetzt müssen wir uns nur noch überlegen wie wir mit Treibstoff für max. 5 km zur nächsten Tankstelle kommen
Es hilfts nichts, wir müssen wohl oder übel entgegen unserer Heimfahrtsrichtung fahren und ein Dorf mit Tankstelle aufsuchen.
Der Tankwart, sieht unser Bozner Kennzeichen und beginnt sofort in seinem schwer verständlichen “dialetto del veneto” drauflos zu labern: er sei in Meran beim Militär gewesen und er habe in Sterzing bei minus 40 Grad kampiert. Damals haben sie auf dem Lastwagen auf der Plane drauf geschlafen usw. usw.
Außer seinen Militärgeschichten klärt er uns noch auf, dass es besser sei, wieder zurück zu fahren und nicht über Vicenza nach Hause zu fahren. Wir befolgen seinen Rat und fahren über die Gemeinden des Valle del Pasubio zurück. Beim Eremeo S. Colombano (Einsiedelei) machen wir kurz für ein Foto halt, anschließend geht es direttisimo nach Hause, nach Südtirol.
GPS Tour – klettern auf dem Klettersteig G. Falcipieri und wandern über die strada delle 52 gallerie
GPS Tour – Klettersteig G. Falcipieri – Strada delle 52 Gallerie














Wandern in Südtirol, das ist mein Hobby. Meist bin ich mit der besten Ehefrau von allen auf eher leichten Wanderwegen unterwegs. Dabei fehlt natürlich nie der Fotoapparat. Das Ergebnis unserer Wanderungen kannst du hier in diesem Wander-Blog verfolgen.
Hallo Dietmar
wir sind vor einigen Jahren, es war 2003 mit den Kindern, und diese waren noch relativ klein, den Berg bis zum Rifugio Papa hochgewandert und die 52 Galerie dann hinunter. Es war für alle ein tolles Erlebnis und ich staune heute noch, über die Ausdauer der Kinder (damals im Alter von 5-8 Jahren), da wir insgesamt ca. 7 Stunden gewandert sind. Leider hatte ich damals noch eine Digitalkamera, deren Bilder ich heute gar nicht mehr ansehen kann,so pixelig sind sie. Danke deshalb für deine Traumfotos – LG Siglinde
Hallo Sieglinde,
echt Ihr seit mit 5-8 Jahre alten Kindern den Klettersteig hoch geklettert? Ehrlich gesagt würden wir uns das nicht zutrauen. Wir hatten mit uns selbst schon genug zu kämpfen
LG
Dietmar
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Halt, halt, nicht den Klettersteig, ich habe geschrieben, den Berg hochgewandert. Man kann dort auf einer anderen Route bis zu diesem Rifugio Papa hochwandern, wobei man das Auto nicht dort parkt, wo man aus den Tunnels rauskommt, aber wo genau wir hochgegangen sind, weiß ich nicht mehr. Ich kann mich aber erinnern, daß wir auf der Höhe des Rifugio durch einen langen Tunnel gegangen sind.
Wäre mich auch etwas komisch vorgekommen mit Kind und Kegel über den Klettersteig
Ihr seit wahrscheinlich vom Passo Pian delle Fugazze hochgewandert oder es gibt noch andere Wege die mir nicht aufgefallen sind…
Genau, wir sind vom Passo delle Fugazze losgegangen. War eine schöne Runde wünsch dir noch einen schönen Abend – Siglinde
Hallo Dietmar; noch viel interessanter ist es wenn man OHNE Taschenlampe durch die Tunnels hinunterwandern muss und auf die Beleuchtung des Handys angewiesen ist … Mag gar nicht daran zurückdenken
Hallo Herbert,
ja das kann ich mir denken und nachfühlen.
Wir haben auch mal so was aufgeführt. Vor drei Jahren waren wir in Prags und wollten um den Pragser Wildsee spazieren. Es hat gerade angefangen zu dämmern. Wir sind losgezogen in der Annahme, dass der Pragser Wildsee nur so eine kleine Lache wie der kleiner Montiggler See sei und in der Annahme, dass der Spazierweg rund herum immer genau breit und eben, wie er sich anfangs präsentiert, sei. Das war ein Zauber! Wir haben uns im Stockdunkeln mit einem Handy, das fast nicht mehr wollte, ich glaube circa zwei Stunden, um den See getastet. Die beste Freundin von allen hatte Sterbensangst!
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